Das war das Thema im gestrigen Unterricht beim Rettungshelfer-Kurs. Ihr wundert Euch jetzt bestimmt, was man mit sozialer Kompetenz im Rettungsdienst anfangen will, stimmts? Meiner Meinung nach mindestens genauso wichtig wie die medizinischen Themen selbst. Es sollte auch auf jeden Fall in den jährlichen Fortbildungsplan als Pflichtfach aufgenommen werden. Denn viele "Randthemen", die nicht direkt medizinisch sind, werden ganz schnell vergessen und verdrängt.
Wir müssen die Situation einschätzen, Verständnis für die Situation und das Verhalten des Patienten und der Angehörigen haben und dabei noch die richtigen und passenden Worte finden. Zusätzlich dazu müssen wir überblicken, ob unser Kollege vielleicht gerade mit dieser Situation überfordert ist und Unterstützung braucht. Nicht jede Notfallsituation ist jedermanns Sache. Gerade Unfälle mit Kindern erfordern da immer sehr viel Kraft und bei Maßnahmen, die aussichtslos waren raubt das schnell auch einem gestandenen Mann den letzten Nerv. Dabei müssen wir als Helfer einfach wissen, dass es keine Schwäche ist, mal Gefühle zu zeigen und zuzugeben, dass wir überfordert sind. Ich kenne viele, die so hart sind und sich so verhalten, als ob sie diese Notfälle komplett kalt lassen. Ich persönlich glaube das nicht, denn man guckt den Leuten nur vor den Kopf. Wie es ihnen innerlich geht, merkt man vielleicht erst auf den zweiten Blick und manchmal auch erst dann, wenn es schon zu spät ist. Nicht umsonst hören viele Helfer oder Helferinnen in jungem Alter auf, weil sie sich selbst überschätzt haben und nicht rechtzeitig eingestanden haben, dass sie manche Situationen als schwieriger empfinden als sie erwartet haben. Und dann muss man sich einfach mal jemanden suchen, der einem Rat geben kann, zuhört und Verständnis für die eigene Situation und das Erlebte hat. Womit wir schon beim Thema Kommunikation sind. Hierbei haben wir auch über das Vier-Seiten-Modell einer Nachricht gesprochen, das jeder von Euch bestimmt schon mal irgendwo gehört oder gesehen oder erlebt hat. Schönes Beispiel für dieses Vier-Seiten-Modell ist immer die Kommunikation zwischen Frau und Mann "Schatz, die Ampel ist grün". Dieser Satz kann zu einer großen Diskussion führen, wenn eine Kommunikationsstörung vorliegt.
Aber zurück zum Thema: Woher sollen wir im Rettungsdienst wissen, ob mein Patient genau das versteht, was ich ihm sagen möchte? Daher sollten wir genau überlegen, was wir sagen. Auf keinen Fall Versprechen abgeben wie "Das wird alles wieder gut". Eine richtige Diagnose stellen kann und darf nur der Arzt. Daher können wir die Angehörigen und die Patienten beruhigen und ihnen angemessen zureden, unsere Arbeit gewissenhaft und professionell erledigen sowie die notwendigen Informationen erfragen. Fragen stellen ist immer ein gutes und sicheres Kommunikationsmittel. Denn wer redet, hat Atmung und Puls, ist also bei Bewusstsein, was die Sache meistens einfacher macht. Und wir können dabei wichtige Informationen erhalten, die wir an Arzt und Krankenhaus weitergeben. Aber auch Bewusstlosen erklären wir unsere Maßnahmen und sagen, was wir tun. Denn es gibt laut unserem Lehrgangsleiter viele Fälle, bei denen Bewusstlose sich an Worte und auch Verhalten der Helfer erinnern konnten. Das kann peinlich werden und sogar in Gerichtsverfahren verhandelt werden, wenn es verletzend oder unsachgemäß war. Wenn wir nicht genau wissen, was wir sagen soll, ist es immer noch besser nach dem Motto "Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten" zu agieren, als irgendeinen Schwachsinn zu reden, was leider viel zu oft vorkommt.