Ich habe am Mittwoch, dem 6. August, meine Mitgliedschaft im DRK Dortmund freiwillig beendet. Nein - ich bin nicht rausgeflogen. Ich habe es aus der eigenen Entscheidung heraus getan.
Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, warum. Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Für eine solche Entscheidung gibt es immer mehrere Gründe.
Ein ausschlaggebender Grund ist natürlich die Entfernung zwischen Wohnort und Ort der DRK-Gemeinschaft. Das sind 70 km. Der Zeitaufwand spielt eine weitere Rolle bei einer solchen Entscheidung. Seit ich im April das Studium begonnen habe neben dem Job, ist Freizeit schon fast ein Fremdwort geworden. Und dann soll ich diese freie Zeit auch wieder mit "Arbeit" verbringen? Klar ist es auch irgendwo ein Hobby, aber ich konnte es nicht richtig als Hobby bezeichnen. Ich erinnere mich noch, als ich zum ersten Mal zum DRK kam. Da sagte mir der Helfer, mit dem ich als erstes gesprochen habe: "Am Interessantesten sind die BVB-Dienste, da passiert wenigstens mal was." Ich konnte diese Aussage nicht ganz verstehen, denn ich bin der Meinung, dass es gut ist, wenn nichts passiert und es allen gut geht. Klar kann man nur sein Gelerntes anwenden, wenn etwas passiert. Trotzdem sollte jeder von uns froh sein, wenn nichts passiert und die Menschen gesund und unverletzt sind.
Mein ursprünglicher Wunsch, um dem DRK beizutreten, war, dass ich bei der Blutspende unterstützen wollte. Das hab ich in Arnsberg vorher auch schon öfter gemacht, als ich Blutspendetermine bei meinem Arbeitgeber organisiert habe. Dann wurde mir gesagt, was das DRK noch alles macht und ich habe mich entschieden, die Rettungshelfer-Ausbildung zu beginnen. Trotzdem habe ich mich bei der Unterstützung der Blutspende wohler gefühlt und habe das lieber gemacht. Na ja - durch die Ausbildung zur Sanitäterin, die ich im April 2008 abgeschlossen habe, entstehen dann auch gewisse Pflichten im DRK, nämlich, auf Sanitätsdiensten als Helfer dabei zu sein. Diese Erfüllung der Pflichten fiel mir von Mal zu Mal sehr schwer, weil ich jedes Mal, wenn ein Patient kam, nervös wurde. Klar hab ich richtig gehandelt und wusste, was ich tue - aber es ist halt jedes Mal im schlimmsten Fall ein Menschenleben, was von meinen Maßnahmen abhängt. Es gibt viele, die gehen so selbstsicher an die Sache ran und machen so auch einen sehr guten Job. Und klar gibt es immer noch jemanden, der über mir ist und im Zweifelsfall verantwortlich ist. Trotzdem habe ich bereits im Unterricht zur Sanitäterin gehört: "Solange alles gut läuft und der Patient lebt, ist alles ok. Doch wenn etwas schief geht, dann muss sich jeder dafür verantworten." Und ich habe mich dann jedes Mal gefragt, was passiert, wenn ich mal etwas falsch mache. Daran konnte ich also auch noch erkennen, dass es nicht das Richtige für mich war. Und um die Unsicherheit bei Seite zu schieben, hilft es mir auch nicht, eine rote Jacke anzuhaben. Es gibt ja leider auch genug Leute, die meinen, sie wären die Götter und könnten alles erledigen, sobald sie eine rote Jacke anziehen. Auch das habe ich in meiner Ausbildung gelernt: Denn ein gewisses Maß an Vorsicht und Hinterfragen ist immer geboten, bevor ich eine Maßnahme erledige. Denn schon Blutzuckermessen ist streng rechtlich genommen Körperverletzung - aus diesem Grund muss immer der Patient vorher informiert und um Einverständnis gefragt werden. Bei Bewusstlosen ist es etwas Anderes. Da geht man davon aus, dass der Patient jede lebenserhaltende oder -verlängernde Maßnahme bewilligen würde. Das nennt man dann "Geschäftsführung ohne Auftrag", was allerdings nur dem Arzt zusteht, der als höchst Ausgebildeter an einer Unfallstelle die Verantwortung trägt - auch für das Handeln der Helfer, denen er dann zu sagen hat, was zu tun ist. Trotzdem darf jeder nur das tun, wo er sich sicher ist und was er gelernt hat.
Ich hätte ja auch nur bei der Blutspende unterstützen können und mich für Sanitätsdienste abmelden: Ja, stimmt - allerdings sind viele Blutspendetermine wochentags und beginnen um 15 oder 16 Uhr. Da überschneiden sich dann mein Job, mit dem ich meinen Lebensunterhalt verdiene, und mein Hobby. Passt also auch nicht zusammen.
Deshalb habe ich die Entscheidung getroffen, das Deutsche Rote Kreuz zu verlassen, habe meine Dienstkleidung abgegeben und meinen Austritt schriftlich erklärt. Die Urkunde, dass ich die Sanitäter-Ausbildung gemacht habe, bekomme ich noch. Ist ja nicht schlecht, so etwas dokumentiert zu haben. Wer weiß, wofür man es noch gebrauchen kann?
Mein Fazit: Wenn man mit Leib und Seele dahinter steht, dann kann man als Helfer im Deutschen Roten Kreuz viel Gutes tun. In meinem Fall hilft es allen Beteiligten nicht, wenn ich nur halbe Sachen machen kann aufgrund von Zeitmangel und Entfernung. Dann lieber Platz machen für andere Helfer, die mehr Zeit haben.
Trotzdem war es eine schöne Zeit und ich habe viel gelernt. Und vor Allem habe ich Patrick dort kennen gelernt - schon alleine deshalb, aber auch aus vielen anderen Gründen - bereue ich meine Mitarbeit im DRK nicht.