Leider waren meine letzten Wochen nicht besonders toll, weil zwei Menschen plötzlich aus meinem Leben verschwunden sind. Es war eine schwere Zeit, gerade wenn das Osterfest eigentlich ein Grund zum Feiern sein soll. Aber vielleicht ist es ein Zeichen, dass gerade dann jemand stirbt, am Auferstehungstag?! Das fällt schwer zu glauben, wenn man gerade an diesem Tag einen lieben Menschen verliert, der einem wichtig war. Wenn man länger darüber nachdenkt, kann man sagen: es war der Auferstehungstag Jesu - und das ist vielleicht kein Zufall.
Ich hatte die Gelegenheit, einen dieser Gottesdienste mitzugestalten und vorzubereiten. Ich habe mich im Internet auf die Suche gemacht nach Psalmen für die Todesanzeige, nach Lesungsvorschlägen, Evangelienvorschlägen, Fürbitten und Liedern für Trauergottesdienste.
Psalmen, z. B. als Überschrift für die Todesanzeige, habe ich mehrere gefunden, z. B. hier. Besonders passend finde ich "Ich bin die Auferstehung und das ewige Leben. Wer an mich glaubt, wird ewig leben, auch wenn er stirbt." oder "Meine Zeit steht in deinen Händen." Aber natürlich hat es viel mit der konkreten Situation zu tun, ob es eine Erlösung nach langer Krankheit oder ein plötzlicher Tod ist.
Ich kann jedem empfehlen, den Trauergottesdienst eines verstorbenen Angehörigen mitzugestalten, da es dazu beiträgt, dass es ein individueller Gottesdienst ist. Jeder Pfarrer bietet normalerweise vor der Beerdigung ein Gespräch mit den nächsten Angehörigen an, in dem man seine Wünsche äußern kann, welche Texte und Lieder im Gottesdienst gelesen bzw. gesungen werden sollen. Wenn man selbst nicht direkt Ideen hat, welche Lieder und Texte ausgewählt werden, hat jedes Pfarrbüro auch Vorschläge, aus denen man auswählen kann.
Die meisten Texte und Lieder habe ich selbst ausgewählt und die Fürbitten sogar selbst geschrieben. Um den Lesern meiner Seite für einen Fall auch Vorschläge und Vorlagen zu geben, stelle ich meine Vorschläge gern zur Verfügung.
Die Eröffnung des Gottesdienstes erfolgt durch den Pfarrer und enthält meistens ein paar persönliche Worte über den Verstorbenen; wie er gelebt hat, wofür er sich besonders eingesetzt hat, was ihm wichtig war und was uns am meisten fehlen wird.
Hier ist die Lesung, die ich passend fand, aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Neues Testament, Römerbrief 6, 3 - 11). Wenn man möchte, kann man die Lesung auch selbst lesen bzw. jemanden auswählen, der die Lesung liest. Natürlich in Abstimmung mit dem Pfarrer.
Ein passendes Evangelium ist meiner Meinung nach aus dem Johannesevangelium, 14, Satz 1 - 14 oder auch verkürzt. Der Text ist hier zu finden. Das Evangelium wird durch den Pfarrer vorgelesen.
Anschließend folgen die Fürbitten, die man wieder selbst vorlesen kann oder auch vorlesen lassen kann. Diese Fürbitten habe ich selbst geschrieben und stelle sie auch gerne zur Verfügung. Sie können individuell angepasst werden, je nach den Wünschen und Bitten, die aus Sicht der Angehörigen wichtig ist.
Auch bei der Auswahl der Lieder kann man mit entscheiden, natürlich auch in Abstimmung mit dem Pastor. Denn wichtig bei der Liedauswahl ist, dass die Gemeinde die Lieder kennt, damit man nicht alleine singen muss.
Meine Liedauswahl sah wie folgt aus:
zur Gottesdienst-Eröffnung: Nr. 291 aus dem Gotteslob - Wer unter´m Schutz des Höchsten steht
als Zwischengesang: Nr. 183 aus dem Gotteslog - Wer leben will wie Gott auf dieser Erde
Bittgesang zwischen den Fürbitten: Nr. 18 aus "Singt dem Herrn" - Herr erbarme Dich
zur Gabenbereitung: Nr. 620 aus dem Gotteslob - Das Weizenkorn muss sterben
zum Sanctus: Nr. 67 aus "Singt dem Herrn" - Heilig Herr, heilig bist Du
nach der Kommunion: Nr. 157 aus "Singt dem Herrn" - Von guten Mächten
Schlusslied: Segne Du Maria, segne mich Dein Kind
Nach dem Gottesdienst erfolgt dann stillschweigend der Gang zum Friedhof, wo die Beerdigung stattfindet, durch den Pastor der Sarg bzw. die Urne gesegnet wird und Gebete gesprochen werden. Diese Minuten sind für die Angehörigen die schwersten, weil es dann den Abschied richtig bewusst macht und man in diesen Minuten die Erinnerungen nochmal Revue passieren lässt. Daher sollte meiner Meinung nach unbedingt respektiert werden, wenn in der Todesanzeige stand "Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen". Nicht jeder kann damit richtig umgehen - und oft findet man auch nicht die richtigen Worte.
In vielen Gemeinden gibt es das Liederbuch "Singt dem Herrn", das auf Anfrage ausgeteilt werden kann. Manchmal gibt es auch ähnliche Liederbücher. Ich gehe davon aus, dass die oben genannten Lieder in vielen anderen Liederbüchern auch enthalten sind. Das Liederbuch "Singt dem Herrn" gibt es scheinbar nicht mehr zu bestellen, aber es soll wohl ein Nachfolge-Buch "Ihm und uns" geben, das bald herauskommt. Ich bin relativ sicher, dass es ähnliche Bücher in sehr vielen Gemeinden gibt. Das Lied "Segne Du Maria" habe ich in keinem Liederbuch gefunden, ich habe es nur als Zettel.
Wenn Ihr Fragen habt oder Tipps benötigt, hinterlasst gerne einen Kommentar oder schickt mir eine E-Mail.
Die Mitgestaltung und Organisation ist bei allen gut angekommen und ich kann es wirklich jedem empfehlen, so an einem würdigen Abschied mitzuwirken. Das Feedback, das ich bekommen habe, war positiv. Das soll für alle, die in einer ähnlichen Situation sind, eine Ermutigung sein, sich aktiv an der Gestaltung zu beteiligen. Die Abstimmung mit dem Pastor läuft auch sehr reibungslos; er gibt ein kurzes Zeichen, wenn man aufstehen sollte zur Lesung und den Fürbitten, um sie vorzutragen.
Auf diesem Wege möchte ich allen danken, die mit lieben Worten, Karten und ihrer Anwesenheit geholfen haben und mir Kraft gegeben haben. Außerdem danke ich allen, die für mich da waren, mit denen ich reden konnte, wann ich es brauchte und auch denen für ihr Verständnis danken, bei denen ich mich aufgrund der Situation lange nicht gemeldet habe. Großer Dank an Patrick, der viel Verständnis hatte, wenn ich oft unterwegs war, keine Zeit hatte und auch nicht sehr gut gelaunt war. Ein besonderer Dank gilt auch dem Pastor für die herzliche Gestaltung des Gottesdienstes und das freundliche Gespräch vorab.