Was kann man sich Schöneres vorstellen als samstags vormittags auf der A3 zu verbringen?
So habe ich jedenfalls den gestrigen Vormittag von 9 Uhr bis 12:15 Uhr verbracht. Mein Navi und auch die Stauinformationen im Radio kündigten nichts an außer einen Unfall auf der Gegenspur. Auf meiner Seite sah ich Bremslichter, Warnblinklicht und kurze Zeit später ging es langsam als Stop-and-Go weiter. Ich dachte, es wäre nur ein kurzer Stau, weil alle nach links schauten wegen dem Unfall. Das war meine einzige Erklärung, die ich mir vorstellen konnte, gerade weil auch im Radio nichts gesagt wurde. Nach einer halben Stunde stellte ich fest, das ich es auf keinen Fall pünktlich bis 10 Uhr nach Essen schaffe. "Na ja, nicht schlimm, wenn ich ein paar Minuten später komme", dachte ich. Ein paar Minuten? Weit gefehlt. Um 10:30 Uhr (ich war immer noch nicht viel weiter gefahren) sagten sie dann in WDR2, dass auf der A3 Richtung Oberhausen zwischen Dreieck Langenfeld und Kreuz Hilden 9 km Stau sind. Na super! Immerhin war das Kreuz Hilden nicht mehr weit - nur noch 2 Kilometer. Für diese zwei Kilometer habe ich dann aber nochmal eine Stunde gebraucht - mein Navi zeigte dann kurze Zeit später auch den Stau an. Das hilft aber auch nichts, wenn man keine Alternative hat. Andere Autofahrer beobachten war die einzige Beschäftigung, die mir einfiel. Und es ist interessant, wie unterschiedlich die Autoinsassen miteinander umgehen: manche lachen, manche sind nett zueinander, halten Händchen, umarmen sich, andere schreien sich an, haben schlechte Laune, rauchen, rauchen, rauchen. Ich glaube, im Stau lernt man sich am Besten kennen. Sollte es vielleicht vor der ersten gemeinsamen Wohnung mit einem neuen Partner eine Bewährungsprobe geben - 2 Stunden Stau ohne Ausweg? Oder in einer Bahn festsitzen, die aus irgendwelchen Gründen nicht mehr weiterfahren kann? Danach kennt man sich auf jeden Fall besser: das Verhalten in Stresssituationen, die Gelassenheit und das Verständnis füreinander. Vor mir hat jemand am mittleren Grünstreifen seinen Hund Gassi gelassen. Na, wenn wir Menschen das doch auch so einfach könnten? Seit 1,5 Stunden hätte ich auch gern mal eine Toilette benutzt. Um 11:45 Uhr war ich dann durch den Stau durch und durfte wieder fahren. Die Veranstaltung, zu der ich wollte, war fast zu Ende. Also habe ich die Raststätte Hösel angefahren, habe 0,70 € für die Benutzung der Toilette bezahlt und bin am Breitscheider Kreuz wieder in die andere Richtung der A3 gefahren - nach Hause.
Was gehen einem sonst für Gedanken durch den Kopf im Stau? Wie schön es wäre, einen Automatik-Wagen zu haben.... Auf Dauer nervt es nämlich, den Fuß die ganze Zeit auf der Kupplung und dann abwechselnd auf der Bremse oder auf dem Gaspedal zu haben. Wie fühlen sich jetzt wohl diejenigen, deren Tanknadel schon auf Reserve steht? Bin ich die einzige, die sich jetzt eine Toilette wünscht?
Wer weiß, wofür es gut war? Es gibt für alles einen Grund. Vielleicht war die Veranstaltung nicht lohnenswert. Ich habe jedenfalls gute Musik gehört (danke an Radio Leverkusen und Radio Neanderthal, WDR2 und 1live). Da ich niemanden kenne, der bei der Veranstaltung war, weiß ich auch nicht, was ich verpasst habe. Den nächsten Samstag möchte ich trotzdem gerne anders verbringen.