Artikel mit Tag Kurzgeschichten
Donnerstag, 5. Februar 2009
Drei Geschichten zum Nachdenken
Der Faden
Eines schönen Morgens glitt vom hohen Baum am festen Faden die Spinne herab. Unten im Gebüsch baute sie ihr Netz, das sie im Laufe des Tages immer großartiger entwickelte und mit dem sie reiche Beute fing. Als es Abend geworden war, lief sie ihr Netz noch einmal ab und fand es herrlich. Da entdeckte sie auch wieder den Faden nach oben, den sie über ihrer betriebsamen Geschäftigkeit ganz vergessen hatte. Doch verstand sie nicht mehr wozu er diene, hielt ihn für überflüssig und biss ihn kurzerhand ab. Sofort fiel das Netz über ihr zusammen, wickelte sich um sie wie ein nasser Lappen und erstickte sie.
Der Seiltänzer
In einer Stadt führte ein Seiltänzer in schwindelnder Höhe seine Künststücke vor. Zum Schluss die Hauptattraktion: er schiebt eine Schubkarre über das schwankende Seil. Als er sicher auf der anderen Seite angekommen ist, fragt er die Zuschauer, ob sie es ihm zutrauen, die Karre auch wieder zurückzuschieben. Die Menge klatscht begeistert Beifall. Dann fragte er einen einzelnen, der unten am Mast steht: "Trauen Sie mir auch zu, dass ich die Karre wieder zurückschiebe?" "Aber sicher" ruft der zurück und klatscht. "Dann," sagt der Seiltänzer, "dann kommen Sie herauf und steigen Sie ein, dann schiebe ich Sie herüber". Nein, so hatte er es nicht gemein. Er wollte doch Zuschauer bleiben.
Das Wasser
Die Fische eines Flusses sprachen zueinander: Es gibt Leute, die sagen, unser Leben hänge vom Wasser ab. Aber was ist Wasser? Wir haben niemals Wasser gesehen. Da sprachen einige, die klüger waren als die Anderen: Wir haben gehört, im Meer draußen lebe ein gelehrter Fisch, der alle Dinge weiß. Wir wollen zu ihm gehen und ihn bitten, uns das Wasser zu zeigen. Da machten sich einige auf und suchten das Meer. Sie fanden endlich auch den Fisch und erzählten ihm, dass sie das Wasser suchten. Der alte Fisch hörte sie an und sagte: "Wie soll ich Euch das Wasser zeigen? Ihr bewegt Euch darin. Aus dem Wasser kommt ihr, im Wasser endet Euer leben. Ihr lebt im Wasser und wisst es nicht. Alles, was Euch umgibt, ist Wasser." Wenn wir auf der Suche sind nach Gott, so hören wir: Alles ist Gott. Alles Leid ist Gott und alles Glück. Alles Schicksal ist Gott und alle Mühe, es zu bestehen, ist auch Gott. Nichts ist, das nicht in Gott wäre. Was auch könnte bestehen außer in Gott?
Samstag, 20. Dezember 2008
Gestern habe ich mir mal wieder eine schöne Massage gegönnt bei MaraLuna. Es war wirklich total entspannend und wunderschön. Einfach eine Auszeit aus dem Alltag und der hektischen Welt. Als ich dann gerade gehen wollte, gab mir Frau Hages noch einen Zettel mit den Worten "passt auch ein bisschen zu Weihnachten". Da die Geschichte so schön ist, möchte ich sie Euch nicht vorenthalten: Drei merkwürdige Gäste Die vornehmen Leute aus dem Osten hatten den Stall und ide Kripe noch nicht lange verlassen, da trug sich eine seltsame Geschichte in Bethlehem zu, die in keinem Buch verzeichnet ist. Wie die Reitergruppe der Könige gerade am Horizont verschwand, näherten sich drei merkwürdige Gestalten dem Stall. Die erste trug ein Flickenkleid und kam langsam näher. Zwar war sie wie ein Spaßmacher geschminkt, aber eigentlich wirkte sie hinter ihrer lustigen Maske sehr, sehr traurig. Erst als sie das Kind sah, huschte ein leises Löcheln über das Gesicht. "Ich bin die Lebensfreude", sagte sie. "Ich komme zu Dir, weil die Menschen nichts mehr zu lachen haben. Sie haben keinen Spaß mehr am Leben. Alles ist so bitterernst geworden." Dann zog sie ihr Flickengewand aus und deckte das Kind damit zu. "Es ist kalt in dieser Welt. Vielleicht kann dich der Mantel des Clowns wärmen und schützen." Darauf trat die zweite Gestalt vor. Wer genau hinsah, bemerkte ihren gehetzen Blick und spürte, wie sehr sie in Eile war. Als sie aber vor das Kind in der Krippe trat, schien es, als falle alle Hast und Hektik von ihr ab."Ich bin die Zeit", sagte die Gestalt und strich dem Kind zärtlich über das Gesicht. "Eigentlich gibt es mich kaum noch. Die Zeit, sagt man, vergeht wie im Flug. Darüber haben die Menschen aber ein großes Geheimnis vergessen. Zeit vergeht nicht, Zeit entsteht. Sie wöchst wie Blumen und Bäume. Sie wächst überall dort, wo man sie teilt." Dann griff die Gestalt in ihren Mantel und legte ein Stundenglas in die Krippe. "Man hat wenig Zeit in dieser Welt. Diese Sanduhr schenke ich dir, weil es noch nicht zu spät ist. Sie soll dir ein Zeichen dafür sein, dass du immer so viel Zeit hast, wie du dir nimmst und anderen schenkst. Dann kam die dritte Gestalt an die Reihe. Sie hatte ein geschundenes Gesicht voller dikcer Narben, so als ob sie immer und immer wieder geschlagen worden wäre. Als sie aber vor das Kind in der Krippe trat, war es, als heilten die Wunden und Verletzungen, die ihr das Leben zugefügt haben musste. "Ich bin die Liebe", sagte die Gestalt und strich dme Kind zärtlich über das Gesicht. "Es heißt, ich sei viel zu gut für diese Welt. Deshalb tritt man mich mit Füßen und macht mich fertig." Während die Liebe so sprach, musste sie weinen und drei dicke Tränen tropften auf das Kind. "Wer liebt, hat viel zu leiden in dieser Welt. Nimm meine Tränen. Sie sind, wie das Wasser, das den Stein schleift. Sie sind wie der Regen, der den verkrusteten Boden fruchtbar macht und selbst die Wüste zum Blühen bringt." Da knieten die Lebensfreude, die Zeit und die Liebe vor dem Kind des HImmels. Drei merkwürdige Gäste brachten dem Kind ihre Gaben dar. Das Kind aber schaute die drei an, als ob sie es verstanden hätte. Plötzlich drehte sich die Liebe um und sprach zu den Menschen, die dabeistanden: "Man wird dieses Kind zum Narren machen, man wird es um seine Lebenszeit bringen und es wird viel leiden müssen, weil es bedingungslos lieben wird. Aber weil es Ernst macht mit der Freunde und weil es seine Zeit und Liebe verschwendet, wird die Welt nie mehr so wie früher sein. Wegen dieses Kindes steht die Welt unter einem neuen, guten Stern, der alles andere in den Schatten stellt." Darauf standen die drei Gestalten auf und verließen den Ort. Die Menschen aber, die all das miterlebt hatten, dachten noch lange über diese rätselhaften Worte nach....
Mittwoch, 16. Juli 2008
Annika, eine 28 Jahre alte Frau, lebt in einem kleinen Dorf mit höchstens 500 Einwohnen. Sehr nah an der Natur, ein kleiner Wald nicht weit entfernt, lebt sie dort in ihrer 3-Zimmer-Wohnung. Es ist noch gar nicht lange her, seit ihre Eltern gestorben sind – viel zu früh. Beide sind vor 6 Monaten, im Oktober 2002, von einer gemeinsamen Wanderung nicht zurück gekehrt. Es war der 10. Oktober 2002. Annika erinnert sich noch genau, als sie vergeblich versuchte, ihre Eltern zu erreichen. Sie hatten eine sehr gute Beziehung zueinander und jeden Abend vor der Tagesschau riefen sie an. Annika wunderte sich sehr, dass ihr Telefon noch keinen Laut von sich gab. Doch sie wusste ja, dass ihre Eltern in den Wald wollten zum Pilze sammeln. Vielleicht waren sie noch nicht zurück… vielleicht haben sie ja die Zeit vergessen… vielleicht haben sie ihre besten Freunde getroffen. Sie gehen ja auch immer im Oktober Pilze sammeln. Annika versuchte, sich zu beruhigen, doch es ließ ihr keine Ruhe. Immer und immer wieder versuchte sie, ihre Eltern zu erreichen. 500 Meter wohnten sie entfernt von Annika´s Wohnung. Um 23 Uhr – als Annika es nicht mehr aushielt – zog sie sich ihre Schuhe an und lief los, in zögerlichen Schritten…. aus Angst, dass die Wohnung wirklich leer war. Für den Notfall haben die Eltern ihr einen Schlüssel für die Wohnung gegeben. Als sie angekommen war, steckte sie den Schlüssel ins Schloss, drehte ihn herum und rief: „Mama? Papa?“: keine Antwort. Wohnzimmer, Schlafzimmer, Bad, Küche, sogar im Keller – niemand zu sehen. Traurig ging sie zurück in ihre Wohnung… Schlafen konnte sie jetzt nicht…. Was sollte sie jetzt tun? In den Wald gehen… ihre Eltern suchen? Nein, sie ganz alleine?... Besser, wenn sie zu Hause wartet, falls sie doch noch anrufen. Jetzt hatte sie schon 5 Stunden auf den Anruf gewartet, als sie sich entschied, nun doch ins Bett zu gehen. So einen Tag gab es seit 6 Jahren nicht mehr… kein Anruf am Abend von ihnen – pünktlich vor der Tagesschau. Plötzlich in der Nacht – es war 4 Uhr – schellte jemand an der Tür: vorsichtig und ängstlich öffnete sie…: Nein, die Polizei! Annika bekam einen Schrecken. Das heißt nichts Gutes, dachte sie still und leise bei sich. Und richtig: Die Polizei sagte ihr, dass ihre Eltern gefunden wurden, von den besten Freunden… beide verhüllt in ein Netz, wie man es vom Fische fangen kennt – und beide tot. Egal nach welchen Untersuchungen, Forschungen und Hinweisen: Es wurde bis heute nichts heraus gefunden. Nicht, wer es war und nicht, warum es passierte. Heute, genau 6 Monate später, denkt sie wieder daran: An die Sorgen…die Angst… die Fassungslosigkeit. Sie waren doch viel zu jung zum Sterben. Ihr Vater war erst 55 und ihre Mutter 53. Immer nur gearbeitet, Rücksicht genommen, nie an sich selbst gedacht. Ändern konnte sie es nicht – leider. Trotzdem wollte sie nicht aus diesem Dorf weg. Die Erinnerungen an die gemeinsame Zeit halten sie hier: die Kindheit, die Schulzeit, die Jugend – ihre Eltern waren immer für sie da. Heute, am 10. April 2003, ist es genau 6 Monate her… aber eins hat sie sich vorgenommen. Ihre Eltern sind ihr größtes Vorbild und sie wird vieles genauso machen wie sie. Ihre Kinder werden es auch gut haben – so wie sie selbst mit ihren Eltern. Mit diesem Gedanken geht sie ins Bett, traurig, aber auch ein bisschen froh, dass sie solche guten Eltern hatte. 4 Uhr – es hat geklingelt. Nein..bitte nicht… wer kann das sein? Sie öffnet vorsichtig die Tür – schon hat sie ein Fischernetz rund um ihren Körper. Sie versucht, jemanden zu erkennen, ist aber viel zu beschäftigt, um sich zu befreien. Sie sucht den Anfang.. ein Loch, wo sie herausschlüpfen kann. Es geht nicht, sie droht zu ersticken… Panik und Angst machen sich breit… Piep – piep – piep, Schweißgebadet wacht sie auf, fühlt rechts und links, bewegt Arme und Beine… kein Netz, keine unbekannte Person, nichts… alles ist wie am Abend, als sie einschlief. Sie atmet durch – ein Glück, es war nur ein Traum. Ein bisschen fröhlicher als am Abend zuvor sieht sie auf das Foto der Eltern und flüstert: „Danke, dass Ihr für mich da ward“, packt ihre Tasche und fährt zur Arbeit.
Es ist Donnerstag, der 26. Juni 2003, ein Tag wie jeder andere. Oder? Ich denke nach, sehe in den Himmel, die Sonne lacht mich an…. Ich lächle in mich hinein. Ein schöner Tag. Doch etwas macht diesen Tag nicht zu einem wunderschönen Tag. Ich sehe auf die Uhr und wundere mich: „Oh, es ist schon 11:30 Uhr.“ Seit zwei Stunden laufe ich schon durch den Park – ganz alleine – ohne Hast und ohne Ziel. Langsam schlendere ich weiter, ohne zu wissen, wohin. Wer weiß es schon? Wohin gehe ich? Ich bleibe stehen, denke kurz nach und entscheide mich, noch einmal kurz an den Blumenbeeten mit blühenden Rosen und dem Ententeich vorbei zu gehen, bevor ich in meine kleine, aber gemütliche 2-Zimmer-Wohnung mitten in der Innenstadt zurück gehe. Ich freue mich über die Vogelgesänge, die mich schon den ganzen Tag begleiten. Nun erreiche ich die Blumenbeete, sehe mir die wunderschön blühenden roten und gelben Rosen an, höre das Wasser plätschern und doch ist der Tag nicht wunderschön. Mein Gefühl: es sagt etwas Anderes. Aber was? Ich möchte es herausfinden. Die Bank direkt vor dem Teich gefällt mir, sie läd mich ein und ich setze mich hin. Ich lasse meine Augen schweifen über die Wiesen, Wege und schließlich in den Himmel. Wenige Wolken….viel Sonne…Insekten…. Vögel…..langsam schlafe ich ein. Als ich aufwache, ist es 14 Uhr – aber wo bin ich? Ich sehe mich um, sehe den Teich, die blühenden Rosen, die Wiesen und Wege und erinnere mich an den nicht ganz wunderschönen Tag – an mein Gefühl. Zielgerichtet stehe ich auf, um auf direktem Weg nach Hause zu gehen. Schon nach wenigen Metern höre ich ein leises Fiepsen… was ist es? Ich laufe schneller und schneller…immer näher zu dem Fiepsen. Ich sehe einen kleinen Vogel, fast reglos auf dem Boden liegen. Was ist nur passiert? Noch vor 2,5 Stunden haben viele Vögel für mich gesungen. Ich pflücke Gras und lege den kleinen Vogel vorsichtig auf den weichen Untergrund, als ein zweiter Vogel angeflogen kommt. Er gibt ihm von Schnabel zu Schnabel Futter und nach kurzer Zeit ist der kleine Vogel stark genug, um wieder zu fliegen. Als ich weiter gehen möchte, sehe ich einen Zettel auf dem Boden mit den Worten „Ich möchte Dich wiedersehen. Bitte komm zu dem Wasserteich.“ Ich bin irritiert: Von wem ist der Zettel? Wer möchte mich wiedersehen? Es war doch niemand hier. Ich kann es nicht verstehen, aber – neugierig wie ich bin – gehe ich zurück. Wieder sehe ich schon von Weitem die Bank, aber sie ist nicht leer. Jemand sitzt darauf… er wartet. Je näher ich komme, umso aufgeregter werde ich. Meine Gedanken irren durcheinander…. Mein Opa, mein Bruder, mein Nachbar…? Meine Schritte werden kürzer, hastiger, eiliger, aber auch ängstlicher. Ich renne los… es ist schon 8 Jahre her: meine große Liebe… ich habe ihn immer vermisst, die ganzen Jahre. Jetzt sitzt er dort… vor mir, zum Greifen nah. Tränen und Lächeln steigen gleichzeitig in mein Gesicht. Womit habe ich verdient, dass er hier sitzt und auf mich wartet? Ich kann es nicht glauben. Ist es ein Traum? Nein, ich sehe ihn, er steht auf und geht auf mich zu. Er sagt kein Wort, nimmt mich in den Arm. Er weint. Nach etwa 10 Minuten spricht er: „Jedes Jahr am 26. Juni habe ich hier gesessen und habe gewusst, dass ich Dich einmal hier wiedertreffe. Mein Gefühl hat es mir gesagt…. Ich habe Dich nie vergessen.“ Ich denke: Warum gehe ich jetzt zum ersten Mal hier hin? Aber ich denke nicht mehr nach, es ist mir jetzt egal. Er ist ja da. Ich bin überglücklich und es ist ein wunderschöner Tag. Wir geben uns die Hand und ich flüstere ihm ins Ohr: „Du bist ein unerwartetes, aber das schönste Geburtstagsgeschenk.
|
 |
 |
 |
|