Artikel mit Tag Nachdenken
Freitag, 9. November 2012
Am 4. November hatte ich die Gelegenheit, an der Großen Nacht der Lichter teilzunehmen. Hier ist der Link zur Beschreibung.
Es war eine so tolle Erfahrung, mit so vielen Menschen zu singen in verschiedenen Sprachen, zu beten, zu schweigen, das Kreuz zu verehren und das Ganze in einer Kirche ohne Bänke, in der wir auf dem Boden saßen und die Atmosphäre der vielen schönen Beleuchtungen durch Kerzen zu genießen. Das Highlight war, dass jeder eine Kerze hatte und das Licht von vorne nach hinten weitergegeben wurde. Sehr interessant, wie schnell so etwas geht, dass jeder mit dem Licht versorgt ist. Einmalig.
Es ist wirklich sehr besonders und schwierig zu beschreiben. Jedes Jahr findet diese Nacht der Lichter einmal statt. Es lohnt sich, dabei zu sein.
Sonntag, 11. März 2012
Ich hab´s getan! Mein Facebook-Profil gehört der Vergangenheit an.
Vor ein paar Wochen habe ich festgestellt, dass jemand, der früher im Facebook zu meinem Freundeskreis und seit neuestem sogar zu meiner Familie gehört, nicht mehr zu finden war. Ich habe Kontakt aufgenommen - ja, es gibt auch noch andere Kanäle neben Facebook :-) und mir wurde gesagt, dass das Profil gelöscht ist ,aus freier Entscheidung heraus. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, aber mir fehlte der Mut, zu folgen. Zwar habe ich auch vorher schon genau nachgedacht, wer bei Facebook in meiner Freundesliste auftaucht und wer nicht und ich fand, dass die Definition von "Freund" durch Facebook ziemlich vermiest wird. Wer 500 Freunde hat, der hat den Bezug zu Freundschaften wohl völlig verloren. Dennoch kam ich nicht auf den Gedanken, mich abzumelden.
Jedoch ist irgendwas davon in meinem Kopf hängengeblieben, das mich bis gestern nicht losgelassen hat. Und gestern hab ich es wahr gemacht und mich abgemeldet. Nicht nur abgemeldet oder das Konto deaktiviert, sondern ich habe es gelöscht. Das bedeutet bei Facebook zwar trotzdem, dass es die nächsten zwei Wochen deaktiviert bleibt, falls ich mich entscheide zurückzukommen. Das werde ich aber nicht tun. Nach den 2 Wochen wird es dann endgültig gelöscht und ist nicht wiederherstellbar.
Es ist doch verrückt, wieviel Zeit man damit verschwendet, auf den Seiten so genannter Freunde zu lesen, Kommentare anzusehen, auf die Pinnwand zu schreiben, gefällt mir zu klicken, sinnloses Zeug zu posten, Fotos hochzuladen oder anzuschauen und das alles von Leuten, mit denen man manchmal im "richtigen Leben" nur wenige Worte gewechselt hat, wenn überhaupt, oder die man schon seit 15 oder 20 Jahren nicht gesehen hat - aus gutem Grund. Und diejenigen, die ich häufiger sehe, brauchen Facebook nicht, um sich Fotos anzusehen oder zu wissen, was ich gerne mache oder welche Interessen ich gerade habe.
Es ist so leicht, mal eben "gefällt mir" zu klicken oder einen Spruch dazu abzugeben. Aber würde ich ohne Facebook jemals Glückwünsche zum Geburtstag von dem "Freund" bekommen, oder ihm/ ihr gratulieren? Vermutlich würden wir noch nicht einmal miteinander reden und voneinander wissen, wann wir Geburtstag haben. Mir ist es lieber, wenn ich 5 ernst gemeinte Glückwünsche bekomme statt 100 gepostete Gratulationen auf meiner Pinnwand.
Mal sehen, was ich mit dieser wertvollen Zeit anstelle, die ich sonst bei Facebook verbracht habe. Da kommt ganz schön was zusammen.
Freitag, 24. Februar 2012
Nach der lustigen und mit Feiern geprägte Karnevalszeit wird es ganz schnell wieder ernst. Am Aschermittwoch ist alles vorbei - wie ich finde nicht ganz richtig: Denn am Aschermittwoch fängt es doch erst an. Die Zeit der Vorbereitung auf Ostern, auf Jesu´ Auferstehung, die Zeit der Buße, der Umkehr, der Besinnlichkeit und des Verzichts.
Am Aschermittwoch war ich in Essen im Dom zum frühmorgendlichen Bußgottesdienst mit Aschenkreuzausgabe, dem Zeichen, dass der Mensch vergänglich ist. Klassisch verzichte ich an diesem Tag auf Fleisch und nehme eine sättigende Mahlzeit zu mir, genau wie am Karfreitag. Ein wahrer Verzicht für die gesamte Dauer der Fastenzeit ist für mich der Verzicht auf Süßigkeiten inklusive süßer Getränke. Es soll ja auch etwas sein, was einen richtigen Verzicht darstellt.
Ich wünsche mir, dass dieses bewusste Verzichten nicht nach der Fastenzeit wieder zu Ende ist. In der Zwischenzeit werde ich mich sicherlich daran gewöhnen und das Essen bewusster wahrnehmen. Automatisch ist man schneller satt, wenn man insgesamt weniger isst. Es ist interessant, wie viel besser man sich schon nach 3 Tagen ohne Süßigkeiten fühlt. Manchmal fehlt natürlich der Geschmack nach leckerer Schokolade, aber das geht vorbei.
Euch allen wünsche ich eine besinnliche und von Durchhaltevermögen geprägte Fastenzeit. Hier findet Ihr noch das Evangelium vom Aschermittwoch, das aus meiner Sicht auch sehr aussagekräftig ist und zum Nachdenken anregt.
Manch einer wird jetzt sagen, dass ich es ja auch "herausposaune". Unter Posaunen versteh eich etwas anderes. Dieses Blog ist dafür da, um zu informieren, Erfahrungen zu teilen und Tipps zu geben. Und dazu gehört auch diese Erfahrung. Deshalb schreibe ich darüber - nicht, um mich zur Schau zu stellen, dass ich die Fastenzeit zur Besinnlichkeit und zum Verzicht nutze.
Donnerstag, 21. April 2011
Der Kletterkurs hat mein Leben verändert - es ist Wahnsinn, was er für Nachwirkungen hat.
Dinge, die mir vorher schwierig vorkamen, gehen nun leichter von der Hand. Ich halte mir immer vor Augen, dass ich diese Herausforderung geschafft habe: 12 Meter hoch zu klettern, oben auf einem Seil zu gehen und sogar zwei Schritte zu gehen ohne festzuhalten, bis der Halt wieder da ist. Und dann das Gefühl, wenn man es geschafft hat - das Unmögliche, Unvorstellbare, das man sich vorher nicht hätte denken können. Was ist dagegen schwieriger? In meinen Augen gibt es wenig, was schwieriger ist. Ich denke mir dann oft: "Wenn ich das geschafft habe, dann schaffe ich dieses auch."
Ein Beispiel: Ich war sehr lange nicht mehr joggen. Es war mir immer zu anstrengend, zu langweilig und ich habe keine Erfolge erlebt. Ich hatte eine 3 km lange Strecke, die ich aber noch nie am Stück durchgejoggt bin, sondern immer zwischendurch gehen musste, weil es mir zu anstrengend war. Vielleicht fehlte mir die Motivation, der Spaß daran, oder was auch immer. Nun war ich kurz nach dem Kletterkurs joggen und ich habe sofort beim ersten Mal diese 3 km am Stück geschafft, durchzujoggen. Wie habe ich das gemacht und wieso habe ich es geschafft trotz so langer Pause? Ich habe an mich geglaubt und positiv gedacht. Ich habe die positiven Dinge daran gesehen, z. B. der schöne Himmel, die Sonne, das Zwitschern der Vögel, usw. Ich habe mir gesagt: Wenn ich es in 12 Metern Höhe schaffe, über ein Seil zu gehen, dann schaffe ich die 3 km durchzujoggen auch. Ich habe mir die Strecke vorgestellt und habe Etappen anhand des Seiles beim Klettern festgelegt. Das erste Drittel meiner Joggingstrecke entsprach dem Hochklettern am Mast. Das zweite Drittel der Strecke ist das Balancieren bis zur Hälfte des Seiles. Und das Ziel der Joggingstrecke ist zu vergleichen mit dem Teil auf dem Seil, als ich das Halteseil loslassen musste, um zwei Schritte freihändig zu gehen, bis ich wieder Halt hatte. Und auf diese Art und Weise, allein mit Kraft meiner Gedanken und diesen Vergleichen habe ich es geschafft! Das macht mich stolz - und ich merke, dass ich so alles Schwierige überstehen kann.
Wenn es schwierig wird, denke ich an die Situation oben auf dem Seil und dass ich es trotz meiner Unsicherheit geschafft habe. Mein Partner und auch andere Personen standen hinter mir, haben mich gehalten und den Mut bzw. die Kraft habe ich von Gott bekommen! Auf diese Art und Weise kann ich vieles schaffen: mit einem Partner, der hinter mir steht, mir Halt gibt, mit Gott, der mir die Kraft gibt und mit meinem eigenen Selbstvertrauen!
Wunderschöne Nachwirkungen von diesem einen Tag, der mich selbst und meine Art, Dinge wahrzunehmen und anzugehen wirklich verändert hat!
Montag, 11. April 2011
All das habe ich an nur einem Tag gelernt!
Wofür so ein Ehevorbereitungskurs der besonderen Art alles gut ist. :-) Schon vor einiger Zeit haben wir einen Prospekt entdeckt, in dem Ehevorbereitungskurse angeboten werden. Einer davon hieß "Aktiv-Klettertag" für Paare vor der Hochzeit. Da haben wir uns angemeldet - es hörte sich interessant an und klingt nach etwas anderem. Einerseits habe ich mich darauf gefreut, andererseits war ich auch skeptisch.
Da ich auf hohe, um sich selbst drehende und über Kopf drehende Karussels stehe, hab ich gedacht, dass das auch nicht viel schlimmer sein kann in so einem Hochseilgarten. Da ich eher zu der Art Mensch zähle, die nicht gerne die Kontrolle aus der Hand geben, war mir jedoch klar, dass mir gerade das "sich fallen lassen" nicht besonders leicht fallen wird.
Aber ich fange mal vorne an: Begrüßt wurden wir sehr freundlich mit Kaffee und Keksen und einer kurzen Vorstellungsrunde der besonderen Art: ein gedachter Zeitstrahl von einem Jahr, auf dem wir uns nach Hochzeitsdatum, Dauer der Beziehung und nach prozentualem bereits erledigtem Anteil der Hochzeitsvorbereitung aufstellten. Interessant war, dass nicht alle Paare sich einige waren - wir im Übrigen auch nicht. Daran sieht man, dass ich eher die perfektionistische sowie auch die vorsichtigere von uns beiden bin. Meine Einschätzung lag zwischen 55 und 60 % - Patrick´s deutlich höher. Anschließend stellten wir uns noch von Norden nach Süden auf, welche Paare woher kommen. Dann wurden verschiedene Postkarten auf dem Boden ausgelegt, von denen jeder eine Karte gezogen hat und kurz beschrieben hat, was das Bild mit der Beziehung zu tun hat. Meine Karte zeigte zwei Sonnenstühle, die in eine Richtung stehen, also nicht gegenüber. Das passt deshalb zu uns, weil wir gemeinsam in die gleiche Richtung schauen. Patrick´s Karte zeigte zwei gleiche Tassen mit unterschiedlichen Löffeln. Die Tassen zeigten die Gemeinsamkeiten und die Löffel unsere Unterschiede.
Anschließend nach ein paar Sicherheitshinweisen und ein paar Trockenübungen, die auf einem Balken am Boden stattfanden ging es an´s Eingemachte. Wir mussten uns - ohne den Balken zu verlassen - in der Reihenfolge unserer Schuhgrößen und anschließend nach dem Anfangsbuchstaben des Vornamens unserer Schwiegermutter aufstellen. Und dann ging´s los: in 12 Meter Höhe über ein Drahtseil balancieren - gesichert vom eigenen Partner und 2 Backup-Personen. Zur Hilfe hatte man nur einige herunterhängende Seile, die man ein paar Schritte mitziehen konnte, bevor es dann zum nächsten Seil ging. Das letzte Seil war jedoch weiter entfernt - man musste das eine Seil loslassen, bevor man das nächste greifen konnte. Loslassen - ein schönes Stichwort! Es fällt nicht leicht, aber es geht. Beim ersten Versuch habe ich gerade mal zwei Schritte gemacht, bevor ich wieder herunterwollte. Doch die Gruppe hat mich motiviert - mitgezogen. Alle sind weiter gegangen! Also habe ich es noch einmal probiert und ich habe es geschafft, loszulassen und freihändig zu gehen. Ein wirklich geniales Erlebnis! Ich hätte heulen können, wenn es nicht so aufregend gewesen wäre. Ich war stolz!
Nach dem Mittagessen ging es dann zum Team-Beam, einer Station für 2 Personen, die sich nur gegenseitig halten konnten, um weiterzuschauen. Es war deshalb so schwierig, weil man den Blick nach unten richtete und unter einem nur Luft war. Man ging dann in einer halbwegs waagerechten Haltung als Paar Schritt für Schritt über den Balken. Ich habe es zwar geschafft, das Seil ganz loszulassen und mich nur an Patrick festzuhalten, aber einen Schritt in Richtung weg von dem sicheren Halteseil zu gehen, war zu viel für mich. Obwohl ich wusste, dass garantiert nichts passieren kann, habe ich es mir nicht zugetraut, weiterzugehen - die Angst zu fallen ist zu groß.
Dann wartete noch das Highlight auf uns - der Pamper Pole! Steil einen Baumstamm hochklettern, oben freihändig ohne Halteseil auf die pizzatellergroße Fläche klettern, sich langsam herumdrehen und wie beim Free Fall herunterspringen. Natürlich wurde man auch hier von einem Sicherungsteam gehalten, jedoch durfte man vorher ein paar Meter freien Fall erleben. Ich bin immerhin bis ganz oben geklettert, habe mich dann nur nicht darauf gestellt. Ich muss mir ja auch noch etwas offen lassen für nächstes Mal! :-)
Zwischendurch haben wir von dem Leiterteam immer Feedback bekommen mit Anregungen zum Nachdenken, was das Vertrauen, das Selbstvertrauen und auch das Verlassen der eigenen Komfortzone betrifft. Ein Anstoß für mich war, dass ich erleben durfte, dass mich niemand kritisiert, nur weil ich den Weg nicht bis zum Ende gehe, sondern sage, wo meine persönliche Grenze ist. Daran konnte ich erkennen, dass die Selbstwahrnehmung völlig von der Fremdwahrnehmung abweicht. Manche sagten sogar, dass es mutig ist, zuzugeben, dass das jetzt zu viel ist. Von der Perspektive habe ich das noch nie betrachtet.
Und zum Schluss bevor wir wieder unsere eigenen Wege gingen, bekamen wir noch ein paar Bohnen mit auf den Weg, nachdem uns diese Geschichte vorgelesen wurde von den Bohnen des Glücks.
Also - es war ein toller Tag im Hochseilgarten Iserlohn bei strahlendem Sonnenschein, viel Spaß, mit netten Leuten und neuen Erkenntnissen. Organisisert wurde das Ganze vom Referat für Ehe und Familie des Erzbistums Köln. Danke besonders an Astrid, Alex und Martin.
Dienstag, 1. März 2011
Bitte zeichnet diese Petition bis zum 9. März mit - einfach hier klicken, registrieren, Link in der E-Mail bestätigen und die Petition mitzeichnen.
Hintergrund:
Matijas Derek, ein Arbeitskollege von mir im weiteren Sinne, ist an ALS, einer seltenen Nervenkrankheit, erkrankt. Ich kenne ihn persönlich, habe vor einigen Jahren mit ihm zusammen gearbeitet. Er steht mitten im Leben, ist 36 Jahre jung, hat eine Ehefrau und zwei kleine Kinder. Trotz der Krankheit hat er eine unglaubliche Kraft und lässt keine Möglichkeit aus, zu kämpfen. Er hat sich öffentlich geäußert im Fernsehen, in unserer Unternehmenszeitschrift, es gab Benefiz-Turniere und Sammelaktionen. Und warum macht er das alles? Er möchte bewirken, dass Gelder investiert werden, um Forschung zu betreiben. Er bittet Kolleginnen und Kollegen, Freunde, Bekannte und deren Bekannte um Hilfe.
Hier findet Ihr zwei Links zu Aufzeichnungen von Fernsehsendungen, in denen er aufgetreten ist:
- RTL West zu Gast bei Familie Derek
- WDR Aktuelle Stunde
Ich finde es erschreckend und bin gleichzeitig stolz, wie er selbst, seine Familie, seine Kolleginnen und Kollegen und das Unternehmen selbst damit umgeht. Es ist traurig, wie ein so lebensfroher und aktiver Mensch auf einmal passiv erleben muss, wie die Sprache und das Leben generell immer schwieriger wird.
ALS-Patienten haben eine Lebenserwartung von 3 - 5 Jahren. Nicht selten trifft es sportliche und ernährungsbewusste Menschen - eine Erklärung dafür gibt es nicht und leider auch keine Heilung. Unter diesem Link könnt Ihr Euch näher über die Krankheit informieren.
Diese Petition benötigt möglichst viele Mitzeichnungen bis zum 9. März. Ziel ist, dass Forschungsgelder bereit gestellt werden, um ein Medikament zu entwickeln, dass die Krankheit aufhält oder sogar heilen kann.
Es ist so einfach für jeden von uns, dauert ein paar Minuten und kann Leben retten! Ich setze auf Eure Hilfe - vielen Dank schon jetzt an Euch alle. auch im Namen von Matijas und seiner Familie.
Samstag, 1. Januar 2011
Herr, setze dem Überfluss Grenzen und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lasse die Leute kein falsches Geld machen, aber auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen ihr letztes Wort und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamte, Geschäfts- und Arbeitsleute, die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür, dass wir alle in den Himmel kommen. Aber bitte nicht sofort.
Sonntag, 29. August 2010
Ich höre sehr gerne Musik. Deshalb möchte ich mal einen Beitrag darüber schreiben. Musik ist für mich etwas ganz Bedeutungsvolles, nicht nur so eine Hintergrundberieselung. Ich scheine damit nicht viele Gleichgesinnte haben. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich jemanden darauf hinweise "Hör mal auf den Text" und diese Person dann nichts damit anfangen kann. Und es scheint so zu sein, dass viele Menschen die Musik toll finden, wenn die Melodie ihnen gefällt und der Text dabei zweitrangig ist. Bei mir ist das anders, denn ich höre viel mehr auf den Text. Natürlich muss die Melodie dazu passen, aber das ist nicht die Hauptsache. Ich höre in verschiedenen Situationen ganz unterschiedliche Musik: Reinhard Mey, Michael Wendler, Nic P., Olaf Henning, Pur, Ich & Ich, Die Ärzte, Die Toten Hosen und sogar auch einige Lieder von Böhse Onkelz. Wie Ihr seht - ziemlich gemischt.
Ich kann mich ziemlich gut in die Situation reinfühlen, in der dieser Song möglicherweise gerade geschrieben wurde. Bei Pur kann man die Entwicklung z. B. sehr gut erkennen. Lieder wie "Freunde", "Brüder", "Ich lieb Dich" und "Prinzessin" sind schon vor vielen Jahren entstanden. Da spielten scheinbar Freundschaften und Beziehungen eine große Rolle in Hartmut Engler´s Leben. Danach kamen Lieder wie "Ein graues Haar", bei dem es sichtbar wird, dass auch er sich mit dem Alter beschäftigt. Das Album "Mächtig viel Theater" beschäftigt sich dann mit der Familienplanung und besonders auch mit der Sichtweise von Männern bei diesem Thema. Besonders fiel mir das auf bei Liedteilen wie "Du kannst mich nicht sehen, Du kannst mich nur singen hören" oder "Deine Mutter schaukelt Dich schon raus". "Kinder sind tabu" beschreibt dann ein Thema aus dem Leben, das häufig verschwiegen wird. Doch er deckt es auf und singt es heraus. Mit der Cd "20 Jahre eine Band" wurden dann nochmal die schönsten Lieder auf eine Cd gebracht und zeigen den Stolz, dass sie schon 20 Jahre lang auf dem Markt sind und die Fans immer treu dabei sind. Die Cd "Nichts ohne Grund" beschäftigt sich dann mit schwierigen Themen wie z. B. "Mein Freund Rüdi", bei dem es um einen behinderten Freund geht, der Musik liebt. Auch wenn er nicht so ist wie wir, sieht man, dass er Freude hat und sich zur Musik bewegt. Das Lied "Ohne Dich" mit dem Refrain "Ich schaff es ganz und gar nicht ohne Dich" ist ebenfalls etwas mitten aus dem Leben. Hat nicht irgendwie jeder einmal damit zu tun, dass er jemanden an der Seite braucht und etwas zu zweit viel leichter von der Hand geht? Besonders berührt hat mich auch das "Lied für all die Vergessenen". Klar werden am Besten immer diejenigen gesehen, die im Rampenlicht stehen, wie z. B. die Politiker, die Firmenchefs, die Prominenten - aber gibt es nicht auch ganz viele Unbekannte, die eine Riesenleistung bringen und von niemandem gesehen werden? Hartmut Engler vergisst auch sie nicht. Die Cd "Unendlich mehr" zeigt auch Probleme dieser Welt mit "Anonyme Opfer" oder seine Kinderliebe durch "Herz für Kinder". Auf der Cd wie im Film kenne ich nicht viele Lieder. Sie ist irgendwie an mir vorbeigegangen. "Wenn sie diesen Tango hört" beinhaltet die schwierige Zeit, in der viel Aufbauarbeit in der Nachkriegszeit geleistet wurde. Das Wort später hat eine große Rolle gespielt. Dieses später ist jedoch nicht eingetreten, weil der Mann verstorben ist. Und "wenn sie diesen Tango hört" vergisst sie die Zeit, weil sie sich zurück erinnert. Sie hat so gern getanzt mit ihm. . . Das Lied "Fallen" von der Cd "Vorsicht zerbrechlich" handelt von Vertrauen zu jemandem, bei dem man sich einfach fallen lassen kann. Gibt es so etwas überhaupt? Über Gott und den Tod seines Vaters singt er im Album "Was ist passiert?" mit den Liedern "Walzer für Dich" und "Bitte lieber Gott". Ich habe das Lied "Walzer für Dich" live erlebt und es ist wirklich traurig. Weil es alles Situationen aus seinem Leben sind, kann er diese wirklich sehr real und gefühlstreu singen. Das erzeugt Mitgefühl. "Es ist wie es ist" beschäftigt sich mit "Streiten", "Streng Dich an" und beinhaltet, dass sich vieles nur mit Anstrengung ändern lässt und dass Streit dazu gehört. Das Album gibt Motivation und gleichzeitig auch den Hinweis, dass man Dinge so hinnehmen sollte, wie sie sind. So lebt es sich oft viel leichter. Zum guten Schluss kam das Album "Wünsche" aus dem September 2009 nach 3 Jahren. In dieser Zeit war viel passiert. Hartmut Engler singt über schwierige Zeiten mit Krankheiten (Gesund), seine Vergangenheit (Winter 59), Engagement (Frau Schneider), Selbstbewusstsein und Motivation (Stell Dich) und wichtige Dinge, die oft nicht mehr berücksichtigt werden in unserer heutigen Zeit (Menschlichkeit). Diese Lieder sind wirklich genial. Denn auch hier kann ich mich wunderbar in die Hintergründe hineinversetzen. In der heutigen schnelllebigen Zeit sind psychische Krankheiten (Abhängigkeiten, Burnout, Depression) auf dem Vormarsch. So kennt bestimmt jeder jemanden, der eine dieser Krankheiten hat. Das Lied "Winter 59" gibt zu erkennen, dass die Vergangenheit und die Kindheit einen sehr großen Einfluss auf die heutige Zeit und das eigene Verhalten hat. Wussten wir das nicht alle schon - aber wollen wir es wirklich immer wahrhaben? "Stell Dich" heißt die Devise, denn was bringt es, davor wegzulaufen? Auch in dieser schnelllebigen Zeit spielt "Menschlichkeit" immer weniger eine Rolle. Es beruht alles auf Fakten, muss schnell gehen, da bleibt keine Zeit für Nettigkeiten. Hartmut Engler singt es heraus und wir alle sollten uns fragen, ob das die Zukunft sein soll. Möchten wir wirklich eine Welt aus Fakten und einem nüchternen Umgang miteinander? Sind Grußformeln und Freundlichkeiten egal, wie z. B. ein kurzes "Wie geht´s Dir" bei einem persönlichen Zusammentreffen oder ein netter Gruß am Anfang und am Beginn einer E-Mail. So viel Zeit muss sein, denke ich mir. Häufig wird das in der Geschäftswelt anders gesehen und gelebt. Natürlich ist das auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Jeder sollte sich so verhalten, wie es zu ihm passt - ob rational ohne viele Nettigkeiten oder emotional mit Grußformeln. Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass die Rationalität die Überhand gewinnt, was ich nicht unbedingt gut finde. Deshalb werde ich auch weiterhin meine Menschlichkeit bewahren und E-Mails mit Nettigkeiten beginnen und abschließen.
Nun zurück zur Musik: Ich denke, dass bei den Texten von Pur jeder einmal in eine besungene Situation kommt und sich dort wiedererkennt. Ich verbinde mit vielen Liedern auch Erinnerungen und weiß oft sehr genau, was ich dabei erlebt habe. Z. B. die erste Fahrt mit dem eigenen Auto bei "Im Wagen vor mir" oder tanzen gehen mit Freunden bei "I wanna dance with somebody", Fahrt im Auto mit Freunden bei "Kedengedeng", quatschen mit meiner Schwester bei "Freunde" und "Brüder", "Girls wanna have fun" ebenfalls beim Tanzen, "Auch wenn es nicht vernünftig ist" bei tiefgreifenden Gesprächen mit Freunden, "With or without you" beim Kennenlernen meines Freundes, "Leaving on a Jetplane" in Erinnerung an meine DRK-Gemeinschaft in Dortmund, bei der ich ehrenamtlich mitgearbeitet habe und in Erinnerung an das Abheben des Flugzeuges in den Urlaub, "Einen Stern, der deinen Namen trägt" als Erinnerung an ein Festival im Westfalenpark mit einem Kollegen aus England, "Wonderful tonight" an einen Karaoke-Abend in Dortmund mit Freunden, usw.
Diese Liste könnte ich endlos fortführen. Ihr seht, "meine" Musik ist nicht nur auf deutsche Musik von Pur beschränkt, sondern beinhaltet alles quer Beet. Es kommt wirklich auf meine Stimmung an. Meistens höre ich die Lokalradios, aber je nach Laune ziehe ich eine Cd heraus und höre sie, denke an alte Zeiten oder freue mich auf etwas, was noch vor mir liegt. Das ist das Pur-Konzert am kommenden Sonntag auf Schalke. Ich freu mich riesig darauf und bin gespannt, welche Lieder Pur dort präsentieren wird. Ich werde nachher berichten.
Und nun möchte ich von Euch erfahren, was Musik für Euch bedeutet und was Ihr bevorzugt - gute Texte oder eine ansprechende Melodie oder ene Kombination daraus. Hört Ihr Musik als Hintergrundberieselung oder bewusst und intensiv? Auf Eure Meinungen und Kommentare freue ich mich.
Samstag, 31. Juli 2010
Heute wurde der Trauergottesdienst aus der Salvatorkirche in Duisburg im Fernsehen übertragen.
Was auf der Love Parade in Duisburg am 24. Juli passiert ist, finde ich unfassbar. Berührende Bilder konnte man täglich im Fernsehen sehen und auch immer wieder Berichte im Radio hören. Besonders mitfühlend war ich bei einer Geschichte, in der ein Mädchen im Radio erzählte, dass sie im Tunnel am Boden lag und ein anderes Mädchen ihr hoch helfen wollte, ihr die Hand gestreckt hat und ihr Luft zugepustet hat, damit sie Luft bekommt und weiter atmen kann. Dieses Mädchen, die geholfen hat, ist wenige Tage später selbst gestorben. Das ist doch ungerecht, dass dieses hilfsbereite Mädchen mit dem Leben bezahlen musste.
Bewegend fand ich die Rede von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Man konnte an ihrer Stimme hören, dass ihr das sehr nah geht und dass sie mit den Tränen kämpfen musste. Besonders angesprochen haben mich die Worte, als sie sagte, dass ein Vater, der seine Tochter verloren hat, ihr mitgegeben hat, dass der Tod seiner Tochter vielleicht für uns alle etwas bedeuten könne. Das Wohl des Menschen müsse wieder an die erste Stelle treten.
Man kann jetzt natürlich darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, dass die Politiker dort vertreten waren. Vielleicht musste es nicht die ganze Riege sein, aber Frau Kraft war dort auf jeden Fall berechtigt vertreten - nicht nur als Ministerpräsidentin von NRW, sondern auch als Betroffene. Denn auch ihr 17-jähriger Sohn war auf der Love Parade. Sie kann sich also sehr gut in die Trauernden hineinversetzen, weil sie sicherlich auch darüber nachgedacht hat, dass auch ihr Sohn nicht hätte zurück kommen können.
Alle, die noch Schlimmeres verhindert haben, haben meinen Respekt. Ich denke, dass dieser Vater Recht hat, dass Menschlichkeit, Herzlichkeit und eine gegenseitige Hilfsbereitschaft wieder stärker in den Vordergrund rücken sollte.
Montag, 22. März 2010
Heute habe ich fast den ganzen Tag gelernt und dachte mir deshalb, dass wir uns schnell in der Steinbücheler Pizzeria etwas zu essen holen mittags gegen 13:30 Uhr. So voll habe ich die Pizzeria noch nie gesehen. Schüler, die gerade aus der Schule kamen, aßen dort zu Mittag. Ich war ehrlich gesagt überrascht und erschreckt. Ist das die Vorspeise oder tatsächlich der Mahlzeit-Ersatz, weil sie zu Hause nichts bekommen?
Wenn wir früher aus der Schule kamen, war das Essen fertig. Ich habe darüber kurz mit dem Inhaber der Pizzeria gesprochen, dass ich es erschreckend finde. Ich habe ihm gesagt, dass ich früher frisch gekochtes Essen bekommen habe, als ich nach Hause kam. Und er sagte: "Ja, und heute bringen die Kinder ihren Eltern dann das Essen noch mit". Ist das nicht eine traurige Entwicklung? Ist es wirklich 'cool', wenn die Kids nach der Schule Pizza, Döner, Hamburger, Pommes, usw. essen? Dann muss man sich doch ernsthaft nicht wundern, dass die Fettleibigkeit der Kinder immer mehr zunimmt, oder?
Und mir kann auch niemand erzählen, dass der Stress zugenommen hat und die Eltern deswegen keine Zeit mehr haben zum Kochen. Unsere Eltern haben das auch geschafft früher - sogar alleinerziehende Mütter haben es hinbekommen. Alles eine Frage der Organisation. Meine Mutter hat dann sonntags etwas mehr gekocht - dann reichte es auch für montags mit. Und geschmeckt hat´s (fast) immer. Als Kind beschwert man sich ja öfter mal - aber wenn man dann heute zurückdenkt, dann hatte man es doch ziemlich gut.
Ich glaube einfach, dass sich die Bequemlichkeit erhöht hat. Die Preisentwicklung des Döners z. B. geht steil bergab, wenn ich das richtig beobachtet habe. Teilweise bekommt man den Döner mit Getränk für 3 € - Schüler zahlen sogar nur 2,50 € oder 2 €. Und dann ist es doch für die Eltern einfacher, dem Kind 3 € in die Hand zu drücken statt sich selbst an den Herd zu stellen. Und dann gibt man dem Kind 6 € und lässt sich selbst auch noch einen Döner mitbringen. Kann es einfacher sein?
Aber wo soll diese Entwicklung hingehen - und was machen diese Kinder dann später mit ihren Kindern, wenn sie es selbst nicht anders gelernt haben?
Und wo ich mich schon mal zur Ernährung der Schulkinder äußere: gibt es eigentlich das gute alte Pausenbrot noch? Ich glaube, wenn die Kinder heute die Brotdose auspacken in der Schule, werden sie ausgelacht. Ich weiß es natürlich nicht 100-prozentig, aber ich kann es mir gut vorstellen. Dabei war es "früher" zu meiner Schulzeit (vor 20 Jahre her, als ich in die Realschule kam) , so, dass wir maximal Kakao oder Vanillemilch kaufen konnte - aber nicht das volle Programm an belegten Brötchen, usw. Und wenn etwas Besonderes war, haben wir mal 50 Pfennig bekommen, um uns etwas Süßes am Kiosk zu kaufen. Kennt Ihr noch die Colakracher oder saure Schlangen oder Brause-Ufos? Heute ist das Angebot am Schulkiosk wahrscheinlich breiter gefächert, weil die Nachfrage gestiegen ist.
Ich finde es erschreckend, traurig und mir fehlen dafür auch ein bisschen die Worte.
Vielleicht gibt es ja Leser, die das aus eigener Erfahrung widerlegen oder vielleicht auch bestätigen können? Ich freu mich auf Eure Kommentare.
Sonntag, 15. November 2009
Fragen wir uns das nicht alle im Laufe unseres Lebens öfter mal? Wer ist Gott und wo ist er? Vor allem die Frage "Wo ist Gott?" stellen wir uns, wenn wieder einmal etwas schief läuft oder etwas Schlimmes passiert. Und stellen wir uns diese Frage nicht zu Recht?
Trotzdem finden bei schlimmen und traurigen Ereignissen viele Leute in die Kirche und vielleicht auch zu Gott. So z. B. konnte man in den letzten Tagen viele Trauernde mit einer Kerze in der Hand sehen - mit vielen anderen Trauernden gemeinsam. Und wo haben sie sich versammelt? In der Kirche - zum Gottesdienst. Wenn den Menschen nichts mehr anderes einfällt oder sie nicht wissen, wohin mit ihrer Trauer, dann finden sie den Weg zur Kirche. Und das ist keinesfalls einen Vorwurf wert, warum man sie die ganzen Jahre nicht in der Kirche gesehen hat, sondern im Gegenteil: es ist doch gut zu wissen, dass wir immer zu Gott kommen dürfen und dass er uns niemals loslässt. Ein schönes Sprichwort sagt auch "Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand". Das ist beruhigend zu wissen.
Für die Traueranzeige von Robert Enke hat die Witwe folgende Worte ausgewählt: Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass alles gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass alles einen Sinn ergibt, egal wie es ausgeht. (Zitat von Václav Havel). Für ihn sind scheinbar trotz Reichtum, Erfolg, Karriere, Zuspruch von Millionen Fans und Geld scheinbar die Fragen des Lebens nicht beantwortet worden. Was sind dann die Fragen des Lebens? Gibt es noch mehr als Reichtum, Geld und Anerkennung? War es überhaupt richtige Anerkennung, die er von den Fans erlebt hat? Ich kann mir vorstellen, dass man als Fußballstar auch viel Wut der Fans abbekommt, z. B. wenn man den Gegner nicht abhalten konnte oder der Ball im eigenen Tor landet. Mal der Star und dann wieder der Buh-Mann. Das ist sicher nicht leicht. Was in ihm vorging, kann niemand nachvollziehen. Man kann nur versuchen zu verstehen und beten.
Auch in unseren Charts und bei unseren Sängern spielt die Frage nach Gott eine Rolle. Das Lied "One of us" von Joan Osbourne, das im Radio auch heute noch gespielt wird, handelt von Gott und vermutlich weiß es kaum jemand. Hier ist der Text des Liedes. Und hier ist die Übersetzung. Ich jedenfalls habe bis zum Gottesdienst in St. Franziskus Leverkusen nicht besonders darüber nachgedacht. Ich habe das Lied immer so im Hintergrund gehört, ohne den Text wirklich mal zu übersetzen. Dabei ist da soviel Wahres dran. Was wäre denn, wenn Gott wirklich ein Fremder wäre, der mit uns im Bus nach Hause fährt? Wie würden wir ihn behandeln? Würden wir ihn erkennen?
Dieser Gottesdienst am Sonntag in der Gemeinde St. Franziskus war speziell für die Jugendlichen, die sich auf die Firmung vorbereiten. Sie haben den ganzen Sonntag noch mit verschiedenen Gedanken rund um die Frage "Wer ist Gott" verbracht und sicher auch einige Antworten oder Lösungsansätze gefunden. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass sicher auch viele Erwachsene zum Nachdenken angeregt wurden. Denn die Frage "Wer ist Gott" stellt sich ja nicht nur Jugendlichen, sondern sicherlich jedem von uns irgendwann in irgendeinem Zusammenhang.
Freitag, 21. August 2009
... ja, ich bin obdachlos. Ich habe mir heute eine Wohnung angesehen. Nein, ich bin nicht drogenabhängig oder alkoholkrank. Das möchte ich auch nicht werden. "schluchz". Ich muss jetzt wieder von Düsseldorf-Hauptbahnhof nach Remscheid in meine Notunterkunft. Dafür fehlen mir 1,70 Euro. Kann da bitte jemand aushelfen?".
Wer öfter mal mit dem RE1 von Essen Richtung Aachen fährt (egal zu welcher Uhrzeit), wird diesen Satz sicher schon gehört haben. Ich kenn den Satz jedenfalls schon auswendig. Man muss dazu sagen, dass er sich schon weiterentwickelt hat und den Satz immer flüssiger spricht. Was er auch gut kann, ist ignorieren. Zum ersten Mal ist mir der Herr schon vor 3 Monaten begegnet im Zug - mit dem etwas verkürzten Satz, dass ihm Geld für sein Ticket fehlt. Schon da klang es für mich nicht besonders glaubwürdig, weil er da noch sagte, dass er nach Recklinghausen muss. Äh - falsche Richtung?
Aber jetzt merken immer mehr Leute, dass er das wöchentlich, wenn nicht sogar täglich macht. Heute haben die Leute gar nix gegeben, nachdem eine Mitfahrerin sagte, dass sie diesen Satz jetzt schon öfter gehört hat. Daraufhin starrt er einfach weiter nach vorne und fragt sogar nach ein paar Minuten nochmal nach "Kann denn da wirklich niemand aushelfen?".
Ich mein - einmal könnte man das ja noch glauben, vielleicht zweimal auch - aber bei 10mal wird´s echt schon nervig. Ich hab schon überlegt, ihm mal 3,40 Euro zu geben und zu sagen: "Das reicht jetzt auch für morgen mit". Ne, Spaß beiseite... Eigentlich kann er einem ja leid tun, dass er so etwas überhaupt macht. Vielleicht wird er sogar gezwungen, irgendwem das Geld abzugeben.... Ich gebe meistens auch gerne - aber in diesem Fall ist es ja schon offensichtlich, dass es nicht der Wahrheit entspricht. Traurig, aber wahr....
Samstag, 21. März 2009
Ich habe das Buch "Ich bin dann mal weg" gelesen und kann es echt nur empfehlen.
Der Text von der Buchrückseite:
"Der wichtigste Weg meines Lebens"
Hape Kerkeling, Deutschlands vielseitigster TV-Entertainer, lief zum Grab des heiligen Jakob - fast 800 Kilometer durch Spanien bis Santiago de Compostela - und erlebte die reinigende Kraft der Pilgerreise. Ein außergewöhnlihces Buch voller Witz, Weisheit und Wärme, ein ehrlicher Bericht über die Scuhe nach Gott und sich selbst und den unschätzbaren Wert des Wanderns. "Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Und er baut dich wieder auf. Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück."
Der Text vom Buchumschlag:
"Was, umHimmels willen, hat mich eigentlich dazu getrieben, mich auf die Wanderung zu begeben? Ich könnte jetzt zu Hause auf meinem Lieblingssofa liegen. Stattdessen beginnt hier und heute meine persönliche Pilgerreise auf dem Jakobsweg...." Es est ein nebelverhangener Junimorgen, als Hape Kerkeling, bekennende Couch potato, endgültig seinen inneren Schweinehund besiegt und voller Respekt und Unternehmungslust in Saint-Jean-Pied-de-Port aufbricht. Sechs Wochen Fußmarsch auf dem legendären Camino Francés liegen vor ihm, allein mit sich und seinem elf Kilo schweren knallroten Rucksack: über die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, quer durch das Baskenland, Navarra und die Rioja, Kastilien-Léon bis nach Galicien zum Grab des Apostels Jakob, seit über 1000 Jahren Ziel für Gläubige aus der ganzen Welt. MIt Humor und Blick für das Besondere erschließt Kerkeling sich die fremden Regionen, lernt er die Einheimischen ebenso wie moderne Pilger und ihre Rituale und Eigenarten kennen. Er schildert den Reiz jeder einzelnen Etappe, erlebt Einsamkeit und Stille, Erschöpfung und Zweifel, aber auch Hilfsbereitschaft, Freundschaften und Momente, die für alle Entbehrungen entlohnen - und eine ganz eigene, überraschende Nähe zu Gott.
Meine eigene Erkenntnis über das Buch:
Ich habe dieses Buch gelesen, weil ich mitbekommen habe, dass mein (ehemaliger) Chef es vielen seiner Mitarbeiter geschenkt hat, die das Unternehmen verlassen haben. Vom Titel her passte es, aber was hatte es mit dem Buch auf sich? Ich wollte es selbst wissen, habe mich im Internet informiert und mir gekauft, weil mich die Beschreibung angesprochen hat. Es ist wirklich lesenswert, denn es wird auf sehr ehrlich und persönliche Weise beschrieben, was der Jakobsweg aus einem Menschen macht. Hape Kerkeling beschreibt die Schwierigkeiten, die die Begegnungen mit anderen Menschen hervorrufen, aber auch vor allem die Schwierigkeiten, die durch die fehlende Begegnung mit Menschen hervorgerufen werden. Er schreibt über die Strapazen auf den steilen Anstiegen, von zu meisternden Problemen, von Begegnungen, die zu Freundschaften werden, aber auch über Begegnungen, die keine Freundschaft wert sind. Vor allem aber die Begegnung mit Gott und sich selbst ist ein wesentlicher Bestandteil der Beschreibung. Was mich das ganze Buch über interessiert hat, war, wie die Ankunft, das Ziel und auch der Abschied vom Jakobsweg ablaufen wird. Das hat mich dazu getrieben, das Buch so schnell wie möglich und in jeder freien Minute zu lesen. Die Antwort auf meine Frage habe ich bekommen, werde sie hier aber nicht verraten. Denn ich empfehle allen, das Buch zu lesen. Eine witzige und zugleich ernste sowie interessante Darstellung, Gott ganz nah zu sein. Lest selbst....
Donnerstag, 19. März 2009
Das Gleichnis vom barmherzigen Vater Lk 15,11-32 11 Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. (Das Erbteil schon zu Lebzeiten des Vaters zu fordern, war erlaubt, galt aber als unschicklich.) 13 Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. 14 Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. 15 Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. 16 Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. 17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. 18 Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. 20 Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. 22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. 23 Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. 24 Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. 25 Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. 27 Der Knecht antwortete: dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. 29 Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. 30 Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. 31 Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. 32 Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Quelle In welcher Rolle würden wir uns hier finden? Wie finden wir das Verhalten des Vaters? Was löst es in uns aus? Fühlen wir Ungerechtigkeit über das Verhalten des Vaters? Für wen würden wir uns einsetzen? Wen können wir verstehen?
Als ich mich mit diesem Gleichnis beschäftigt habe, war mein erster Gedanke: Wie ungerecht von dem Vater... und ich hätte mich sofort auf die Seite des älteren Sohnes gestellt. Ich kann mir vorstellen, dass viele auch so reagieren würden und dem älteren Sohn Recht geben?
Was ist aber, wenn wir uns in der Situation des jüngeren Sohnes finden? Das kann ja auch mal vorkommen, dass wir merken, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben. Und dann ist es doch gut zu wissen, dass wir zurück gehen können und mit offenen Armen empfangen werden. An Stelle des Sohnes ist es bestimmt ein gutes Gefühl, so freudig empfangen zu werden.
Sicherlich können Eltern auch den Vater verstehen: Sohn bleibt Sohn, Tochter bleibt Tochter und die Tür zum Elternhaus steht jederzeit offen. Eltern können das Tor nicht verschließen, das bringen sie nicht über ihr Herz.
Dieses Gleichnis ist heute genauso aktuell wie früher. Wer kennt nicht die Situation, dass man die subjektive Wahrnehmung hat, die Geschwister werden bevorzugt? Oder welches Gefühl kommt auf, wenn man sich in die Lage des Vaters versetzt? Wenn man es von außen betrachtet (ohne in der Elternrolle zu stecken), könnte eine Aussage sein "Ich würde das nicht mit mir machen lassen" oder "Er hat es so gewollt, jetzt muss er auch sehen, wie er klar kommt". Jedem fällt sicher ziemlich schnell eine Situation ein, die man mit dieser vergleichen kann.
Um es jetzt mal wirklich als Gleichnis zu sehen: Wir wissen auch immer, dass wir trotz unserer Fehler und Sünden mit offenen Armen empfangen werden und nicht verstoßen werden. Uns wird verziehen und wir dürfen jederzeit umkehren, auch wenn wir Gott eine Zeitlang den Rücken gekehrt haben. Wichtig dabei ist die Einsicht und der eigene erste Schritt.
Interessant ist diese Darstellung der unterschiedlichen Sichtweisen. Es wird aus jeder Perspektive geschrieben, welche Gründe es für das Verhalten gibt.
Es gibt dazu auch ein Spiel, das Kindern und Jugendlichen dieses Gleichnis spielerisch näher bringen soll. Hier ist es zu finden. Und hier habe ich ein paar Fragen gefunden, die zeigen, ob man das Gleichnis verstanden hat.
Donnerstag, 5. März 2009
Das Gleichnis von Jesus und dem Blinden hat mich in den letzten Tagen öfter beschäftigt: “Als Jesus Jericho gefolgt von seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge verließ, saß da am Straßenrand ein Blinder und bettelte. Als der Blinde hörte, dass es Jesus von Nazareth war, der da vorbeikam, fing er an, laut zu rufen: „Jesus, Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!“ Viele fuhren ihn an, er solle still sein; aber er schrie nur noch lauter: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Da blieb Jesus stehen und sagte: „Ruft ihn her!“ Einige liefen zu dem Blinden hin und sagten zu ihm: „Fasse Mut, steh auf! Jesus ruft dich!“ Da warf der Blinde seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus. „Was willst du?“ fragte Jesus. „Was soll ich für dich tun?“ Der Blinde sagte: „Mein Herr und Meister, ich möchte wieder sehen können!“ Jesus antwortete: „Geh nur, dein Vertrauen hat dir geholfen!“ Im gleichen Augenblick konnte er sehen und folgte Jesus auf seinem Weg.“ Jesus handelt nicht einfach, sondern er fragt uns: Was soll ich für dich tun? Wir dürfen mit unseren Bitten zu ihm kommen und wenn wir glauben, werden sie erhört. Denn wir helfen uns selbst, indem wir glauben. Die Frage "Was soll ich für dich tun" sollte uns immer wieder begleiten und wir sollten eine Antwort darauf suchen, immer wieder von Neuem. Nur wenn wir unsere Bitten und Wünsche konkret formulieren, können sie erfüllt werden. Unter diesem Link sind noch einige Anregungen zum Nachdenken aufgeschrieben.
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